Eine neue Tradition?

Meine gewöhnlich gut unterrichteten Informanten haben mir zugetragen, dass sich in Woffelsbach allem Anschein nach eine neue Tradition entwickelt. Es bedurfte schon einige Überlegung und organisatorisches Geschick um der Sache auf den Grund zu gehen. Da das fragliche Event in Kürze zum 2. mal stattfinden sollte, machte ich mich an die Vorbereitungen.

Und heute, Donnerstag, 08.02.2018, war es dann so weit. Ich stand schon vor Sonnenaufgang auf um mich für meinen Under-Cover-Einsatz zu präparieren…

Gegen 9:15 betrat eine dicke Hummel die Seestraße und ging in Richtung Kapelle. Meine Informanten hatten Recht: ein paar Häuser weiter sammelten sich seltsam gekleidete Frauen. Mein Herz schlug mir zum Halse. Was, wenn ich erkannt würde? Mutig näherte ich mich der bunten Meute und mischte mich unter sie. Als sie sich in Bewegung setzte, ließ ich mich mittreiben. Am Ende der Seestraße – es gesellten sich noch weitere bunte Gestalten dazu – bogen wir nach rechts ab, gingen an der Kapelle vorbei und überquerten kurz danach die Wendelinusstraße. Und richtig – meine Spitzel sind schon echt klasse – die Horde Weiber steuerten auf ein Hotel in der Nähe zu. Ehe ich noch überlegen konnte, ob ich an diesem Punkt die Recherche abbrechen soll – ich meine, die Gefahr der Enttarnung in geschlossenen Räumen ist bekanntlich größer. Man kommt sich da ja oft näher. Außerdem ist es schwieriger im Ernstfall einen Fluchtweg zu finden. – Also, ehe ich die Biege machen konnte wurde ich auch schon in das Hotel geschoben.

Meine Befürchtung, dass ich aufgeflogen bin, war jedoch unnötig. Man schob mich nicht hinein, um mich festzusetzen. Man schob mich hinein, weil drinnen schon eine lange Tafel zu einem reichhaltigen Alt-Weiber-Frühstück gedeckt war. Der Raum füllte sich zunehmend und um nicht aufzufallen, suchte ich mir einen Platz am Ende der Tafel. Und noch ehe das letzte Weib Platz genommen hatte, wurde dampfender Kaffee an die Tafel getragen und bekannt gegeben, dass das Frühstücksbuffet eröffnet sei.

Da meine Tarnung bisher nicht aufgeflogen ist, dachte ich, dass ich das Risiko eingehen könnte und reihte mich am Frühstücksbuffet ein und um nicht aufzufallen, belud ich meinen Teller reichlich mit Lachs, Rührei, gebratenem Speck, Würstchen und frischen Brötchen. Um den Schein zu wahren, ging ich nochmals ans Buffet. Diesmal waren Wurst, Käse, Marmelade und Croissants meine Beute. Verlockend war auch das süße Gebäck. Aber da man mich bisher nicht entlarvt hatte, fühlte ich mich so langsam sicher und opferte mich nicht weiter auf.

Worauf ich nicht vorbereitet war, war, dass ab jetzt der Sekt in Strömen floss. Und zwischendurch gab es auch mal ein Likörchen. Die bisher im Hintergrund plätschernde Musik wurde aufgedreht und für die Weiber gab es kein Halten mehr. Mein Eindruck war, dass sie bei kölsche Liedcher, Partyhits und Polonaise Blankenese gern über Tisch und Stühl gegangen wären – aber da es Alt Weiber waren,  haben sie sich gesittet verhalten. Und trotzdem waren sie bei Tanz und Polonaise außer Rand und Band. Aber ich muss ihre Kondition schon bewundern. Ganz schön lang durchgehalten haben sie – trotz leicht gestiegenem Pegel.

Aber letztendlich verließ auch das letzte bunt gekleidete Weib den Tatort. Oder sollte ich besser sagen ‚das Schlachtfeld‘? Ich konnte mich also unerkannt wieder zurück ziehen und die zwickenden Fühler von Kopf reißen.

Mir ist schon klar, dass es da draußen sicher den einen oder anderen Zweifler gibt, der mir gerne eine rege Phantasie attestieren würde. Daher füge  ich ein paar (un-)heimlich geschossene Beweisfotos bei.

Ob es nächstes Jahr wieder so eine ominöse Zusammenkunft geben wird? Ich bleibe dran und informiere Euch möglichst zeitig.

Bis dahin!

Eure C. aus W.

(richtig unterschreiben kann ich natürlich nicht. Ihr wisst schon: die Tarnung)

 

 

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