eine neue Tradition …

Stimmug pur beim Möhnenfrühstück

dieses Jahr wollte ich diesem Umtreiben, dass sich allem Anschein nach jedes Jahr wiederholt noch akribischer auf den Grund gehen. Meine Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Minutiös habe ich alles geplant. Noch unauffälliger wollte ich mich in die Höhle der Weiber wagen.
Um die Tarnung perfekt zu machen,  hab mir schon Monate vorher ein hartes Training auferlegt:

1. Einheit: Rührei, Schinken, Lachs, mit Brötchen und ein halbes Tässchen Kaffee
2. Einheit: 3 – 5 Sektchen  und 1 – 3 Berliner (ich hab mich da langsam gesteigert)
3. Einheit: Schnaps und Likör – anfangs bin ich bei einer Sorte geblieben. Jetzt kann ich auch durcheinander trinken ohne zu ko…  – äh – und dabei Notizen machen
4. Einheit: – das war das schwerste – Musik laut aufdrehen, schunkeln,  tanzen, mitsingen.  Was daran schwer sein soll? Hast Du mal probiert nach Einheit 3 die ganzen Texte zu behalten?

Tja, und was is jetzt? Das ganze harte Training für umsonst! Ich bin schon fast fertig mit meiner Maskierung  – da geht das Telefon:  Ein dringender Einsatz! Ner Tradition könne man schließlich immer auf den Grund kommen. Aber hier handelt es sich um eine Bettgeschichte! Sehr delikat! Mein Blick fällt erst auf die Uhr und dann in den Spiegel. Würde ich diesen Auftrag erledigen können und anschließend …? Dafür musste ich aber in meiner Maskierung an den 2. Tatort gehen. Ob das passt?

Ich habs riskiert. Aber es war ein großer Fehler. Die brisante Bettgeschichte entpuppte sich als Flop. Wollte mich da jemand ablenken? Ausbremsen? Kalt stellen? Nicht mit mir! Zum Glück habe ich meine Maskierung nicht abgelegt. Also nichts wie hin zum mutmaßlichen Tatort, von dem man mich wohl fern halten wollte.
Ihr könnt Euch den Anblick wahrscheinlich nicht vorstellen: quer durch die Gaststube schlängelte sich zum Rhythmus der dröhnenden Musik  eine Art Wurm aus den sonderbarsten laut singenden Gestalten – ach so: Polonäse heißt das wohl, hab ich ja jetzt gelernt. Auf den Tischen ein riesiges Chaos aus Tellern, Tassen, Gläsern … Das Buffet? Nix! Nix war mehr da! Kein Lachs, kein Rührei, kein Schinken! Nur noch leere Platten. Aber was für ein Haufen leere Platten!
Das musste ich mir näher ansehen.  So ein großes Haus hat noch mehr Fenster. Vielleicht erhasche ich von hinten einen besseren Blick. Also schleiche ich ums Haus.
Da sitzt doch hinter dem Haus ein gramgebeugter Mann auf einer Bank und rauft sich die Haare. Mir scheint, er sitzt schon länger da, denn sehr viel ist da nicht mehr zu raufen. Das ist die Gelegenheit mehr über das, was sich heute hier abgespielt hat zu erfahren! Also setze ich mich neben ihn, tätschle beruhigend seinen Arm und frag: ‚Na, na! So grossen Kummer?‘

Er schaut mich an, als hätte ich sie nicht mehr alle: ‚ Grosser Kummer? GROSSER KUMMER? SIND SIE TAUB? HABEN SIE NICHT GESEHEN, WAS HIER LOS IST?‘

‚Ja, doch. Aber Sie sind doch der Chef von dem Laden hier – oder? Haben Sie das denn nicht organisiert?‘
Und er erzählte: seit ein paar Jahren wird er regelmäßig einmal im Jahr – also am Fettdonnerstag – von diesen merkwürdigen, bunten Gestalten heimgesucht. Alles Weiber! Keine Kerle! Anfangs saßen sie recht brav beim Frühstück und haben ein bisschen getanzt. Aber es wird wohl immer doller und größer. So meinte der arme, geplagte Gastwirt, er würde das Treiben in Grenzen halten können, indem er auffährt, was die Küche hergibt bis sich die Tische biegen. Seit Tagen hat er sich darauf vorbereitet. Und heute? Nicht nur, dass der Überfall sich schon früher ereignete, als in den letzten Jahren – nein, es waren auch Steckenborner Weiber dabei! Er hatte sich wohl von diesem Schrecken noch nicht ganz erholt gehabt – von fertig mit den leckeren Happen, mit der er die Meute ruhig stellen wollte, ganz zu schweigen – ging die Tür auf, und er hatte den Eindruck, sie würde nie mehr zugehen: Da kam dieser Prinz Martin III und das Kinder-Prinzessinnen-Duo Michelle I und  Katharina I mit seinem großen Gefolge! Zu ihm. Kann man das glauben?
Danach war wohl nichts mehr zu retten. Die Stimmung kochte! Die Musik war durch den halben Ort zu hören. Aus der Küche mussten selbst die letzten eisernen Reserven gebracht werden. Ja, Kaffee wurde auch getrunken, aber mehr Sekt und Schnäpskes…
Und es dauerte noch lange, eh ich den armen Wirt guten Gewissens alleine lassen konnte. Immer wieder fragte er sich kopfschüttelnd: ‚Wo soll das noch hinführen?‘
Da bin ich auch gespannt. Eins ist mal klar: Auf so nen ganz kurzfristigen, wichtigen Fall, wie diese heutige ‚Bettgeschichte‘, fall ich so schnell nicht wieder rein! Nächstes Jahr verfolge ich das ganze wieder hautnah.

Bis dahin

Eure C. aus W.

Prinz Martin ließ es sich nicht nehmen, die „Alten Weiber“ zu besuchen

Fotos: C. Harth
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