Woffelsbach im Coronaschlaf

Ein Jahr Später

Es ist kaum zu glauben, aber jetzt ist es schon ein Jahr her, dass ich über den Tiefschlaf, in den wir von einer Krankheit, die wir im Alltag einfach Corona nennen, versetzt wurden, schrieb…

Vielleicht war am Anfang noch im hintersten Eckchen meiner optimistischen Seele ein leises ‚wird schon nicht so schlimm sein‘ versteckt. Das es nicht – wie ein Schnupfen – in 14 Tagen vorbei sein würde, dass hab ich schon geahnt. Aber sooo lange?

Der erste Lockdown  – und ich kann nur aus meinem eigenen, engeren Umfeld sprechen – war ein kleiner Schock. Was nun? Wovon leben und Rechnungen bezahlen? Die Gastronomie konnte ja noch auf Außer-Haus-Verkauf umstellen. Aber andere hat es da noch härter getroffen. Wenn ich an den Einzelhandel denke, der je nach Branche sehr lange geschlossen war und wieder ist. Die Friseure, die erst Anfang der Woche, nach gefühlter Ewigkeit wieder Haare schneiden dürfen. Mütter, die im Homeoffice den Kids das Große 1X1 beibringen sollen. Und und und…

Was das mit Woffelsbach zu tun hat? Ganz viel. Auch wenn hier nicht die großen Geschäfte sind, so lebt der ein oder andere doch vom Verkauf. Auch wenn wir es hinter geschlossenen Türen nicht mit bekommen, so gibt es sicher auch in Woffelsbach Eltern, deren Nerven blank liegen und sich Sorgen um ihre eigene – aber vor allem die Zukunft ihrer Kinder machen. Und wir alle – mit Ausnahme derjenigen, die ihre Partner an die Schere lassen – wir alle kreieren mit Spängchen, Mütze und Flechtfrisuren neue ‚Trends‘, damit keiner merkt, wie unwohl wir uns mit der Matte auf dem Kopf fühlen.

Viele Gewohnheiten haben sich verändert. Geh ich durchs Dorf, so seh ich Menschen an der Hecke stehen und auf der anderen Seite jemanden in der Tür. Sie unterhalten sich auf Abstand. Na ja, Geheimnisse werden so sicher nicht ausgetauscht, aber es ist ein Zeichen von Verbundenheit. Sie haben einander nicht vergessen. Auch wenn sie sich sicher danach sehnen ihren Plausch bei Kaffee und Kuchen zu halten.

Geburtstage: Kennt ihr auch jemanden, der Euch zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen hat? Mein erster Gedanke war ‚Du hast den Knall wohl nicht gehört‘. Aber ich hätte die Einladung erst mal bis zum Ende lesen sollen. Es war ein Link eingebunden, mit dem ich online an der Feier teilnehmen konnte. Und das Buffet? Es stand in Form einer gut gefüllten Schlemmerkiste am Tag der Feier vor meiner Tür. War total schön. Und wer abgefüllt war, der hat sich nur zur Seite kippen lassen – er saß ja schon auf seinem Sofa.

So haben viele von uns kreative Wege gefunden, wie sie ein Gefühl der Nähe halten können. Skyp, WhatsApp, Telefon und Co sind wichtig geworden. Ja, Du hast recht: es ersetzt nicht das Knuddeln mit unseren Lieben. Aber für ihre und meine eigene Gesundheit bin ich bereit, dieses Opfer zu bringen. Geht es Euch auch so: Seit wir uns körperlich nicht mehr so nah sein können – ich hab das Gefühl, dass Gespräche eine neue Tiefe bekommen. Dass wieder besser zugehört wird. Dass der Blick schärfer wird für das Wohlsein des anderen.

Oh, ich bin mir ziemlich sicher, dass dies jetzt irgendjemand liest und über meine ‚Leichtgläubigkeit‘ lächelt. Wie kann ich nur so dumm sein und mich den Machenschaften der Politiker fügen? Dir sage ich: glaube nur die News und Statistiken, die Du selbst erstellt hast! So lange ich die Fakten nicht selber prüfen kann, verhalte ich mich so, dass ich mir im schlimmsten Fall keine Vorwürfe machen muss, dass jemand wegen meines Fehlverhalten erkrankt oder gar verstorben ist. ICH könnte nicht gut damit leben.

Tja, und wie geht es weiter? Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Ok, er ist noch was länger, der Tunnel – aber ich seh das Licht schon durch die Dunkelheit schimmern. Da sind die Impfungen. Die ganz alten Herrschaften sind bald durchgeimpft – so sie dies wollen. Die Ansteckungs- und Sterberaten in den Seniorenheimen gehen zurück. Es steht in Aussicht, dass bis zum Sommer jeder geimpft sein kann, der will. Schnell- und Selbsttests stehen in den Startlöchern. Wenn wir mit diesen Mitteln, unserer Erfahrung mit dieser Krankheit und Achtsamkeit durch unseren Alltag gehen, dann wird sicher bald ein Stück Normalität in unser Leben zurückkehren.

Nein, das Leben wird danach wohl (lange?) nicht das gleiche sein, wie zuvor. Aber vielleicht wollen wir das auch gar nicht. Vielleicht gibt es ja auch etwas, was wir genossen oder gelernt haben, was wir beibehalten wollen.

Von Herzen wünsche ich Euch, dass Ihr das Tief, das diese Pandemie für Euch persönlich darstellt, schnell überwindet und dass Ihr das Gute, was diese Zeit Euch gebracht hat, bewahren könnt.

Und das aller wichtigste: bleibt – oder werdet – gesund!

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Ein Gedanke zu „Woffelsbach im Coronaschlaf

  1. Liebe Christa, das hast du sehr treffend und mit Herz dargestellt! Danke dafür!
    Wir haben unsere Ferienwohnung in Woffelsbach und das schon seit 40 Jahren. Daher fühlen wir uns den Woffelsbachern sehr verbunden.
    Weihnachten waren wir zuletzt dort!
    Wir hoffen, bald wieder kommen zu können!

    Dir und allen im Dorf
    wünschen wir alles Liebe!

    Berthold und Hilde Ruth

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